16. 08.

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Nachdem Web 2.0 gerne die Eigenschaft "social" zugordnet wird, und ich regelmäßig über diese Verknüpfung stolpere, wollte ich einmal hinterfragen, was es mit dem Social Web auf sich hat. Merriam-Webster hat für den Begriff "sozial" folgende Erklärungen parat: 

sozial [lateinisch],

1) allgemein: gesellschaftlich, die menschliche Gesellschaft und ihr (geregeltes) Zusammenleben betreffend; die gesellschaftliche Stellung betreffend; dem Gemeinwohl, der Allgemeinheit dienend; hilfsbereit.

2) Zoologie: gesellig, nicht einzeln lebend.

Ist Web 2.0 hilfsbereit?

In der Tat sieht es so aus, wenn man sich sogenannte Web 2.0 Applikationen ansieht. Die unglaublichsten, raffiniertesten, umfangreichsten - und früher sündteuren - Services und Programme werden plötzlich kostenlos angeboten. Portale, die Hilfestellungen, Anleitungen, tröstende Worte, Hilfe beim Abnehmen und-was-weiß-ich-nicht-alles gratis zur Verfügung stellen, erfreuen sich explosionsartig ansteigender Mitgliederzahlen.

Dient Web 2.0 dem Gemeinwohl?

Was für eine Frage! Wenn ich mir Social Networks wie z.B. Whoissick ansehe, wo professionelle Hypochonder die gehäuften Krankheitssymptome in der Nachbarschaft abrufen können oder wenn ich auf rottenneighbor.com die ganze Stadt vor meinen verkommenen Nachbarn warnen kann, oder wenn ich ehrfürchtig lesen kann, was Paris Hilton heute gefrühstückt hat oder in welchem Nervenkostüm Britney Spears heute über den Rhodeo Drive stolpert - na wenn das nicht dem Gemeinwohl dient, was dann?

Nicht zu vergessen, die zahlreichen Karriere-Networks (hier nenne ich lieber keine Namen), wo sozial defizitäre Möchtegern-Karrieristen eben jenes Defizit durch Akquisition so mancher One-Night-Stands und dazwischen ein paar Business-Lunch-Quickies zum Drüberstreuen auffüllen.

Was fasziniert die Menschen an Social Networks?

Wir fühlen uns zugehörig. Wir gehören einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten an. Plötzlich sind selbst die Einsamsten unter uns mit abertausenden Menschen verbunden (theoretisch jedenfalls). Und wenn man der Theorie folgt, dass jeder Mensch auf dieser Erde (der Zugang zum Internet hat) praktisch mit 5-6 Mausklicks in greifbare Nähe rückt, dann stecken wir ja fast schon unter der Bettdecke von Brangelina. Ist das nicht aufregend?!

Jede(r) kann mitmachen!

We are the Web, das Mitmach-Web und andere Schlagworte wollen vermitteln, dass wir (die User) die eigentlichen Macher von Web 2.0 sind. Wir liefern Inhalte (kostenlos eh klar), wir schreiben, fotografieren, filmen, erzählen, gestalten, erfinden - und das alles unter Preisgabe von Urheberrechten und meist zum Nulltarif. In den kleingedruckten und kilometerlangen Nutzungsbedingungen (bin ich wirklich die einzige, die sowas liest?) vermachen wir darin sämtliche unserer Daten, Werke, Gedanken vorbehaltlos den großzügigen Anbietern bis in die 7. Generation. EndeMol, Erfinder und Milliarden-Euro schwere Produzenten von weltweit vermarkteten Freak-Shows akquiriert neuerdings via Internet frische Ideen und bezahlt dafür verschwenderische 50.000 Euro (wenn eine Idee realisiert wird).

Fraglich ist noch, wie viele der Ideen, die von den verschiedensten "Auftraggebern" im Web gesucht werden, etwas modifiziert ohne Abgeltung das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Eh klar, dass der Urheber mit der Einmalzahlung auf jegliche weitere Nutzungsrechte ausdrücklich verzichtet, selbst wenn ein Produzent die Lizenzen in 100 Länder um jeweils Millionen verscherbelt.

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Noch sozialer und demokratischer geht’s zu bei namethis.com
Schon der Einstieg zielt unübersehbar direttissima in unser soziales Herz:

  • Frage um Hilfe (Hilfsbereitschaft)
  • Mach mit! (Gemeinschaft)
  • Investiere (Wenn Du mitspielst, dann kannst Du ein paar Punkte gewinnen)
  • Entscheide mit! (demokratisch, eh klar)
  • Dollarzeichen in den Augen?

Nun ja, so dramatisch ist es auch wieder nicht. Soferne Dein Name von den anderen demokratisch gewählt wird (dazu wird auch kilometerlang gesellig diskutiert), dann erhältst Du 99 US$. Wenn man bedenkt, dass Leute, die Name (er)finden für die Nutzungsrechte (je nach Verbreitung einer Marke) einige zigtausend Euro verdienen können, dann wird ein bisschen durchsichtiger, was der soziale Gedanke an Web 2.0 ist. Finde ein paar sozial eingestellt Deppen, die für Dich die Arbeit machen! Und das zum Scherztarif.

Auch so kann man Berufsbilder und Arbeitsplätze vernichten…

Sozial weil kostenlos?

Noch so eine dumme Frage! Wer all diese Segnungen von Web 2.0 kostenlos unters staunende Volk bringt, der muss ja fast schon ein soziales Aneurysma haben, eine simple Ader reicht da ja gar nicht, wenn man überlegt, was solche Anwendungen in der Entwicklung kosten. Die Gegenleistung von seiten der User scheint ein bescheidenes Ansinnen, das auch gleich wieder mit einem sozialen Gedanken (Gemeinwohl!) verknüpft ist. Gib mir Deine Daten, damit ich Dich in Hinkunft noch besser bedienen kann! (Klingt fast schon ein wenig nach Rotkäppchen und bösem Wolf.)

Zwingend notwendig ist also lediglich eine Registrierung mit Anrede, Geschlecht, Namen, Adresse, Telefon, Fax, Einkommen, Beruf, Geburtsdatum, Schulbildung, Vorlieben, Kreditkarte, Social Security Number und dergleichen mehr. Zwingend deshalb, weil die Angabe von Mitzi-Muster-Daten in USA neuerdings strafrechtlich verfolgt werden kann.

Und wenn man in besonders geselligen Social Networks dann auch noch alle Freunde und Freundesfreunde und Daten zusammensammeln kann, dann ist der nächste Millionendeal schon fast unter Dach & Fach.

I want your personal data up to your SOCIAL security number!

Aha, daher der Begriff social networks! Web 2.0 kennt nur eine einzige Währung - Userdaten! Und die sind bares Geld wert. Wenn nebenbei ein paar Dollar oder Euro fließen, ist das ein angenehmer aber nicht notwendiger Nebeneffekt. Ich behaupte, dass jedes Social Network nur ein einziges Ziel hat: Userdaten kassieren und legal oder illegal verscherbeln. So oder so. Und das ist die einfache Antwort auf die oft gehörte Frage: "Warum schenken die so einen tollen Service / so ein tolles Programm her???" Eben darum.

Resumée

Damit keine Mißverständnisse aufkommen, wer mich kennt, weiß, dass ich mit Begeisterung Worte, Ideen, Zeit, Hilfe, Arbeitsleistung etc. kostenlos zur Verfügung stelle, wenn es meine Zeit zulässt. Das ist aber nicht der Punkt. Ich tu das für nette Menschen, die dafür nicht die Herausgabe meiner Daten fordern >;o))

Wer wie ich Tag & Nacht im Netz verbringt, der entkommt den Social Networks natürlich nicht. Was ich hier vermitteln wollte, ist ein gewisses Bewußtsein im Umgang mit Deinen Daten bzw. Ideen. Überlege in jedem Fall, wem und wann Du welche Daten und/oder Werke schenkst. Und im Zweifelsfall verzichte lieber drauf oder erfinde ein Alter Ego >;o)

In diesem Sinne, Eure Mitzi Muster


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One Response to „Was bitte ist an Web 2.0 social?!“

  1. Top 10 Alternativen für teure Office Software * eliZZZa.net * all about web 2.0 & web design 2.0 * alles über Web 2.0 & web design 2.0 Says:

    [...] also keine Ausrede "geborgte" Programme zu verwenden. Und was ich in meinem Artikel "Was bitte ist social an Web 2.0?" bezüglich kostenloser Anwendungen geschrieben habe, gilt ganz sicher nicht für Open [...]

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